Dienstag, 28. Februar 2017

Ausflüge in die Dreidimensionalität. [40]

No future again!
In diesem jahr soll ein neues Kapitel im StarTrek®-Universum aufgeschlagen werden. Denn irgendwann in den kommenden Monaten – das konkrete Datum steht noch in den Sternen – startet nach über zehn Jahren wieder eine neue TV-Serie mit dem Namen „Star Trek: Discovery“. Die Fan-Gemeinde ist dabei so gespannt wie geteilt. Erste grobe Infos zu den Hintergründen des mittlerweile 5. Spin-Offs besagen, daß als Handlungszeitraum die Zeit ca. 10 Jahre vor Cpt. Kirks erster 5-Jahresmission gesetzt sei und somit ein per se leidlich beackertes Feld bestellt werden soll. Und wenn ich ehrlich bin, schwante mir böses, als der erste Teaser-Trailer veröffentlicht wurde, der einen ersten Blick auf das seriennamengebende – und angeblich noch im Entwurfsstadium befindliche – Raumschiff „U.S.S. Discovery NCC-1031“ freigab. 


Aus neu mach alt!

Erster Reflex: „Das ist doch ein Aufguss der alten, avantgardistischen Ken Adam/McQuarrie-Entwürfe für den nie gedrehten Kinofilm ‚Planet of the Titans‘ von 1976/77?!“ Irgendwie dreist. Aber doch irgendwie spannend. Womöglich würde sich ja was ändern…? Störend empfand ich da aber schon den für die neue Serie gewählten Zeitrahmen: Wieder soll es in der Vergangenheit der Zukunft spielen?! Warum nur? Will man nicht mehr vorwärts eilen auf der Suche nach fremden Welten und unbekannten Zivilsationen in einer noch ferneren Zukunft? Zumal diese wiederholten Rückgriffe immer mit unglaubwürdig wirkenden Veränderungen einhergehen, um dem wechselhaften Deppen- und Zeitgeschmack gerecht zu werden. So sahen schon die Klingonen aus den letzten drei ReBoot-Kinofilmen eher aus wie maskiert-grunzende Lederfetischisten denn wie echte Klingonen (und erste Leaks aus der Produktion der neuen Serie lassen eine erneute Veränderung des Klingonenäußeren hin zu reptiloiden Kröten vermuten).
Und auch der gesamte Style scheint komplett anders zu werden, als wie es die Gebote der Logik und Dramaturgie gebieten würden. Denn betrachtet man sich den Ur-Pilotfilm „Der Käfig“ von 1965, kriegt man einen Eindruck davon, wie der Mist eigentlich aussehen müsste, wöllte er sich denn einreihen in den bestehenden Kanon und Zeitrahmen. Dabei haben gerade Fan-Produktionen wie StarTrek-Continues oder Phase-II etc. bewiesen, daß die Optik und das Grundgefühl der 60er-Jahre-Serie durchaus funktionieren, wenn man viel Herzblut und ordentlich Liebe zum Detail investiert, ohne alles in Frage zu stellen, was 50 Jahre funktioniert hat – wie zum Beispiel die stirngnubbellosen Klingonen… Da die CBS als Produzent der neuen Serie aber mittlerweile hart gegen jede gute Fan-Produktion vorgeht, wird man wohl mit dem Vorlieb nehmen müssen, was die Geldmaschine und der angebundene Massengeschmack diktiert.


Heißes Blech.
Zwischenruf. 
Warum wird StarTrek® ständig neu erfunden und in der dramaturgischen Vergangenheit rauf und runter neuerfunden? Konnte ich der anfangs etwas skeptisch beäugten Serie „Star Trek – Enterprise“ noch etwas abgewinnen, entfernt sich die Franchise beginnend dem Film von 2009 und den beiden Nachfolgern vollständig von der Grundbotschaft, eine lebenswerte und bessere Zukunft mit all ihren Licht- und Schattenseiten darstellen zu wollen. Es herrscht stattdessen nur noch Krach, Bumm und Gigantomanie. Star Trek Discovery wird – so meine Befürchtung – in die gleiche ausgenudelte Kerbe schlagen, die den meisten Profit verspricht und unter dem Strich am leichtesten verdaulich wirken wird für einen breiten Zuschauerdurchschnitt. Es wird einen laaaaangen, wendungsreichen, mysteriösen Handlungsbogen geben, garniert mit aufgesetzten und stereotypen Charakterstudien und einem gehörigen Schwerpunkt auf visuelle Qualitäten. Reicht das? Ich denke nicht. Die besten StarTrek®-Episoden waren immer die, die für sich allein stehen konnten, eine kraftvolle Aussage postulierten, in denen die visuellen Effekte einen untergeordneten Anteil an der Story hatten oder die vollkommen herausgelöst waren aus dem normalen Weltraum-Setting.
StarTrek® ist in diesem ständigen Aufkochen und immer wieder Warmmachen der vergangenen Zukunft (sic!) zum Stillstand verdammt. Statt mit Visionen einer entfernten leuchtenden Zukunft vorwärts zu streben, dreht man sich – auf Nummer sicher gehend – im Kreis, um letztlich auf der Stelle stehend immer die gleichen Trampelpfade zu beschreiten bis da nichts mehr wächst. Klingt absurd, trifft den Nagel (oder selbstversiegelnden Schaftbolzen) meiner Meinung nach aber auf den Kopf.



Papiertiger.
PreReDesign
Und weil es ein kleiner Spaß am Rande sein soll, habe ich kackdreist einfach mal ein ReDesign zusammengeschustert, daß die Discov…äh, Endeavour zeigt – ein Entwurf, der tatsächlich in den avisierten Zeitrahmen und das ästhetische Grundkonzept, wie es definiert ist, passen würde. Die Form- und Farbgestaltung entspricht der Formsprache der 60er Jahre, wird aber gepaart mit dem Konzept des Discovery-Designs, wie es in den Teaser-Trailern offenbar wurde. Im Ergebnis wirkt alles dynamisch und auch elegant und reiht sich gut ein in den visuellen Kanon.


Szene #1
Szene #2
Szene #3
Szene #4
Szene #5
Szene #6
Szene #7
(D.P.)

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