Mittwoch, 2. Juli 2014

Überdruckventilation. [0]

Grrrrrrhhhh...
Rhetorische Frage: Wo kann man provokant polemisieren, zynisch zetern oder auch mal deftig Dampf ablassen? Antwort: Im Internet!
Und weil der letzte von Empörung getragene Beitrag in diesem Blog schon einen Dreitagebartansatz hat (Stichwort "Fuceco"), hier nun experimentell – aber durchaus ausbaubar im Sinne einer Serie – ein paar Worte zu (mich/uns) bewegenden und aufregenden Alltags-Themen der jüngsten Vergangenheit, der Gegenwart, Zukunft und was sonst noch unter "ferner liefen" abgebucht werden kann – kurzum: verschriftlichte Gedanken-Injurien 2.0 zur gesunden Selbstreinigung! es lebe die Kartharsis! 

Corporate Misbehavior – eine exemplarische Annäherung an Alltagsdespotie.

Vorsicht – Bissig!

"Guten Tag! Ich möchte gern dieses Päckchen an die angegebene Adresse versenden!" 
"Das geht nicht! Da muss Packpapier oder ein richtiger Karton drum sein!"
"Ach so? Bisher gab es da aber noch nie Beanstandungen?!"
"Ich nehm das so nicht an...! Es sei denn, sie zahlen 22,-€ Sperrgutzuschlag!"
"Für ein Päckchen in Größe und Form eines Schuhkartons...?"
"Ihre Entscheidung…"
"Könnten Sie mir das mal konkreter erläutern, was da jetzt nicht dran stimmt?"
"Wir nehmen nur Pakete verpackt mit Packpapier oder Kartons aus Pappe an. Beutel um Kartons sind unzulässig... Wenn wir das Paket öffnen müssen, geht das mit Papier einfacher." 
"Sie öffnen die Pakete?" 
"Das Paket nehme ich so verpackt nicht an..."
"Technische Gründe? Könnten Sie mir zeigen, wo das mit der verbotenen Folie steht?"
"Dann probieren Sie es eben woanders. Auf Wiedersehen!"

Nun ja... Die Post warb mal mit dem Spruch Menschen erreichen. Das haben die heute tatsächlich erreicht! Ja, sie haben mich förmlich berührt! Oft erfährt man (gerade im Osten), wie warmherzig das Verkaufspersonal nicht ist im Vergleich zu Berufsgenossen und -genossinnen anderswo. Statt eines dezent in Richtung des Kunden gesprochenen "Guten Tag", bekommt man bei Erreichen der Mitte der Ladenfläche ein nachträgliches wie rüdes "N'Tag!" ins Genick geworfen, daß man erschreckt alles fallen lässt. Ebenso gängig die anderen Klassiker: "Neee, Kleingeld nützt mir nüscht...ich kann mit den Münzen nichts anfangen..." oder das nebenbei geführte Gespräch mit der Kollegin, während abkassiert wird. Entschuldigung, daß ich Sie gestört habe in Ihrer Homöostase...
Doch zurück zum aktuellen Anlass der Nachdenklichkeit: Mit spritziger Freundlichkeit am Schalter, einem aufgeschlossenen Lächeln auf den Lippen und höflicher Ansprache (ich schreibe von mir) prallt man auf das, was die gelben Racheengel da zur Kundenabwehr an die Schalterfront geworfen haben. Schon vor Herantreten an den Schalter wird versucht, den Kunden mit Blicken zu töten. Schafft man es an den Schalter wird man mit rüdem Ton als (zahlender) Kunde gemaßregelt, zurechtgewiesen und angebellt. Der Kunde möchte König sein? Soll er doch! Denn Gott ist Verkäufer!
Nachvollziehbar sind gereizte Verhaltensweisen ja prinzipiell immer, wenn man sich mal einem Perspektivwechsel unterzieht. Das muss man gerechterweise hinzufügen. Es kann ja durchaus mal sein, daß man mit dem falschen Fuß aufgestanden ist, danach einen Furz frühstückte und auch sonst schon alles ziemlich stressig gewesen ist. Das lass ich gelten, das kommt vor, das kennt man selbst. Aber zum wiederholten Male mit so einer Verachtung behandelt zu werden, stößt mir nicht nur ein bisschen auf, zumal diese große Postfiliale zu dem Zeitpunkt fast leer war und es noch früh am Vormittag war. 
Möglicherweise ist das einfach nur das generelle Corporate Behavior der Post? Aber warum sind die Damen im Mini-Postshop um die Ecke dann so freundlich? Was stimmt da nicht? 
Will man diese Fragen beantwortet bekommen, empfiehlt sich übrigens die Konsultation der Beschwerde-Hotline der Post. Hahahaaaa...Ernst beiseite. Um tatsächlich eine Beschwerde bei der Post einzureichen, muss man sich erstmal durch das labyrinthische Geflecht der Internetseite klicken, um dann frustriert festzustellen, daß man immer im Kreis zum Ausgangspunkt geleitet wird. Ein Anruf bei der Hotline für Privatkunden ist auch desillusionierend. 
"Ich habe ihre Eingabe nicht verstanden..." "Ach, leck mich...!" 
Wahrscheinlich ist das Kontaktformular nur eine Legende oder ein webprogrammiertes Easter-Egg, was man nur durch Zufall oder gar nicht finden soll. Oder ich verstehe einfach die größeren Zusammenhänge nicht. Könnte es vielmehr so sein, daß schroffe und willkürliche Kundenbetreuung sowie mangelhafte Serviceangebote nur Teil der Unternehmensstrategie sind, um sich originell von der Konkurrenz abzuheben? Corporate Misbehavior?! Wer weiß...
Ich für meinen Teil warte mal ab, vielleicht meldet sich doch noch jemand von der Service-Abteilung der Post – bis zum 29. Februar hab ich denen ja eine Frist gesetzt. Das Paket habe ich übrigens doch noch verschickt bekommen. Im wirklich freundlichen Postshop um die Ecke und ohne Sperrgutzuschlag (!) für mein kleines Päckchen frei von Dialogen wie folgenden: 
"Darf's sonst nochwas sein? Ein Girokonto?" 
– "Ähm, nein, danke. Es sei denn, sie hätten noch ein Pfund Leberwurst? Die feine, wenn's geht?!"

(D.P.)

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