Mittwoch, 16. Oktober 2013

Planfisch-Kalender 2014: Making of. [9]

Juni: Sphære

"Fasten your seatbelts, please..."
Die fast unendlichen Weiten des Weltalls, fremde Welten und eine unerschöpfliche Fantasie sind der Stoff, aus der so manche Science-Fiction-Geschichte gestrickt wird. Nicht erst seit Raumpatrouille, dem Raumschiff Enterprise, der Krieg-der-Sterne-Reihe oder anderen Fernseh- und Filmklassikern des Genres und den unzähligen literarischen Ausschmückungen einer mehr oder weniger wissenschaftlich basierten Märchenwelt von Morgen oder Überübermorgen, begeistern utopische Themen Menschen auf der ganzen Welt. Mit dem Kalenderbild im Juni schlage ich eine weitere Kerbe ins futuristische Holz und lade ein in die Sphære.
Was solln das sein...? Eine rhetorisch an mich und das Publikum gestellte Frage, die ich im folgenden gewürzt mit Darstellungen der Bildproduktion gern beantworte.
Im Mittelpunkt des Juni-Bildes stehen – oder besser gesagt fliegen – zwei ihr Hinterteil dem Betrachter zuwendende Objekte einer merkwürdig strukturierten Wand entgegen, die scheinbar von Wolken bedeckt ist – wir sind inmitten einer Dyson-Sphäre. Eine Dyson-Sphäre ist eine hypothetische Konstruktion zur vollständigen Nutzung der Energie eines Sterns, die diesen komplett kugelförmig umhüllen würde. Der Physiker/Mathematiker Freeman Dyson gilt als der erste, der diese Möglichkeit der stellaren Großbebauung nach Konsum einschlägiger Science-Fiction-Literatur wissenschaftlich ausformulierte und so dem Ganzen seinen Namen aufdrückte um der Suche nach außerirdischen höchstentwickelten Leben neue Impulse.
Auf unser Sonnensystem gemünzt, müsste man sich irgendwie vorstellen, daß die Sonne als unser Zentralgestirn von einer hohlen künstlichen Kugelkonstruktion mit einem Durchmesser von satten 299.200.000 km (2 mal Erdbahnradius) eingehüllt wäre. Ein Lichtsignal würde mit seiner nicht gerade geringen Rasanz von 300.000 km/s grob überschlagen langwierige 17 Minuten benötigen, um diesen Durchmesser einmal zu durchlaufen. Oder abgekürzt formuliert: eine solche Sphäre wäre sehr, sehr groß.
Nun reizt ja gerade die weitergesponnene Idee, sich im Innern einer solchen Sphäre anzusiedeln: täglich scheint die Sonne 24 Stunden am Tag (sic!), es gäbe reichlich Platz (etwa die 200 millionenfache Erdoberfläche), es existiert kein Horizont mehr, da die Oberfläche sich weitgestreckt nach oben biegt und Solarstrom wäre naheliegenderweise so günstig, daß die Energiewende absolut kein Thema mehr wäre. Aber um es mit den Worten Dysons zu sagen: "Das war eigentlich ganz unterhaltsam. Es ist zwar alles Unsinn, aber gutes Kino."
Größenwahnsinn ist nicht heilbar.

Denn nicht nur ewiger Sonnenschein würden irgendwann selbst das größte Sommersonnenglückskind nerven, sondern auch die Anziehungskraft und tödlichen Strahlungen der Sonne würden für Trübsinn und Sonnenbrand sorgen. Ganz davon abgesehen, wäre der Materialaufwand und die Anforderungen an eben jenes nach heutigen Maßstäben unvorstellbar und die Ansiedlung auf der Außenseite eher eine Vorstellung die einen schon gedanklich erfrieren ließe. Und deshalb träumte ich Gegenargumente am Wegesrand liegen lassend weiter, leicht von Comicstil und Schludrigkeit angehaucht, den Traum von der innen bewohnbaren Dyson-Sphære. Welch unendlichen Möglichkeiten sich da spönnen, frei von der unwirtlichen Dunkelheit des restlichen Alls – man könnte die Ewigkeit durchwandern und braucht sein Sonnensystem noch nicht mal zu verlassen....aber ich schweife ab.

Mehr zum wahrhaft utopischen Wahrheitsgehalt der Dyson-Sphäre hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Dyson-Sphäre

Bei der Umsetzung des Bildes griff ich auf ein ursprünglich relativ komplexes SketchUp-3D-Modell eines selbsterdachten Fluggeräts zurück, welches noch ungenutzt auf meiner Festplatte einer besonderen Verwendung harrend herumlungerte und mich durch seine asymmetrische Konstruktion bestach. Mittels verschiedener 2D-Bildexporte fügte ich zwei verschiedene Ansichten via Photoshop ineinander, schraubte kräftig an den Konturen und Details, schob letztlich statt des sonst üblichen Sternenmeers eine stark bearbeitete, nachstrukturierte Textur samt weißen Wolkengebilden als Hintergrund ein, kreiierte die Illusion von gewölbter Räumlichkeit und war letztlich recht zufrieden. Und bevor es zu rethorischen Kursabweichungen und Blindflug kommt, wünsche ich weiterhin guten Flug!

(D.P.)

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