Mittwoch, 24. Oktober 2012

Ausflüge in die Dreidimensionalität. [2]

Die Deutschen im Weltraum – oder: Im Weltraum gibt es keine Farben.

Wie an anderer Stelle schonmal blumiger dargelegt, widmete ich so manche kindliche bzw. jugendliche Nachmittags- und Abendstunde dem Schauen von Science-Fiction-Fernseh-Serien. Eine davon war eine deutsche – die erste in dieser Art überhaupt – und irgendwie auch die einzig nennenswerte bis heute: Raumpatrouille!
Dietmar Schönherr als Major Cliff Allister McLane (final befördert zum Oberst), die mittlerweile verstorbene Eva Pflug als GSD-Sicherheitsoffizier Leutnant Tamara Jagellovsk, Wolfgang Völz als Waffenoffizier Leutnant Mario de Monti und diverse andere bevölkern da eine schwarz-weiße ferne Zukunft. Oder um es mit den Worten des, eine jede Folge einleitenden, Off-Textes auf den Punkt zu bringen:

Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen Wirklichkeit sein. 
Hier ist ein Märchen von übermorgen: Es gibt keine Nationalstaaten mehr. 
Es gibt nur noch die Menschheit und ihre Kolonien im Weltraum. 
Man siedelt auf fernen Sternen. Der Meeresboden ist als Wohnraum erschlossen. 
Mit heute noch unvorstellbaren Geschwindigkeiten durcheilen Raumschiffe unser Milchstraßensystem. 
Eins dieser Raumschiffe ist die ORION, winziger Teil eines gigantischen Sicherheitssystems, das die Erde vor Bedrohungen aus dem All schützt. 
Begleiten wir die ORION und ihre Besatzung bei ihrem Patrouillendienst am Rande der Unendlichkeit.

Trotz des allseits bekannten Bügeleisensteuerelements im Maschinenleitstand, den Acrylmessbechern als Deckendekoration und anderen heute lächerlich und albern wirkenden Details, besticht das Ganze bis heute durch ein enormes Maß an kreativen Ideen, um eine Zukunft zu visualisieren, die meiner Meinung nach bis heute wirklich zeitlos-futuristisch wirkt. Ich fand Raumpatrouille nie albern – eher selbstironisch, minimal satirisch und unterschwellig sehr bedrohlich. Denn was in dieser Zukunft so schön metallisch glänzt und auch nach heutigen Maßstäben an einigen Stellen "stylisch" wirkt, bildet nur die gekonnte Darstellung einer  Militärdiktatur mit all ihren Bürokraten ab: kopflastige Behörden, sture Generalstäbe, ein perfider Geheimdienst, eine hysterisch gackernde und angesichts der Militärs scheinbar machtlose Weltregierung, willfährige Schergen und die nötigen Helden mit ihren Fehlern etc., die sich bei ihrem Kompetenzrangeleien gegenseitig vorführen. Die Erde, wie sie dort nur im Nebensatz skizziert wird (gezeigt wird sie nie), ist keine schöne Welt. Sie ist scheinbar verödet, quasidiktatorisch von militanten Bürokraten verwaltet, Andersdenkende und Delinquenten werden ausgelagert (wahlweise Schwefelminen oder Gefängnis-Asteroiden), die Menschheit haust in den Tiefen des Meeres und heute noch übliche Haustiere (wie Dackel) sind abgezählt, weil sie dem Aussterben nahe sind. Schöne neue Welt – eben eine lustig anzusehende, sehr sehr deutsch tönende Dystopie.
Trotz dieser eher tristen Aussichten war das Herzstück und der Star des straßenfegenden Siebenteilers die ORION VII, ein schneller Raumkreuzer mit einer seltsamen geometrischen, fliegenden Untertassenform. Obwohl das Ding auf den ersten Blick so simpel wirkt, wie ein Sperrholz-Acryl-Blech-Raumschiff eben nur wirken kann, existieren im Internet viele falsche Darstellungen und Skizzen des Raumkreuzers. Entweder stimmen die Proportionen nicht, die Winkel der Unter- und Oberseiten-Bauelemente sind inkorrekt wiedergegeben oder die Orion ist in Farbe (!!!) und mit Oberflächen-Details versehen, die so nie zu sehen waren. 
Deshalb, um unnützes Geschwafel einzudämmen, hier meine Version des Klassikers – nur echt in Schwarz-Weiß! 

(D.P.)

Rücksturz zur Erde.

Blauer Planet – jetzt auch in Grau.
Tiefseestartbasis – Rauchpause.

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